das 10.Land unserer Reise durch Europa ist

Bulgarien

Die ersten Tage hier in Bulgarien genießen wir am Schwarzen Meer, wir wollen erstmal ankommen, uns Zeit lassen und nach dem langen Aufenthalt im Binnenland ausgiebig Seeluft schnuppern.

Das imposante Felsentor von Tyulenovo an der bulgarischen Schwarzmeerküste !

am bekanntesten Kap Bulgariens, am Kap Kaliakra

Das Kap liegt auf ungefähr 70m hohen Sandsteinklippen und ragt spitz ins Schwarze Meer hinein, man hat schon einen beeindruckenden Blick von hier aus aufs Meer und die Steilküste ringsum. Bereits die Thraker haben hier im 4. Jhd. v.u.Z Befestigungen errichtet, da das Kap strategisch bedeutend ist. Die Griechen und die Römer ebenso, später die Byzantiner und die Türken. Die Spuren ihrer Bauten aus allen Zeiten kann man hier oben sehen.

 auch heute ist hier oben noch eine militärische Station, die vorwiegend nachrichtentechnisch genutzt wird.

Denkmal für den russischen Admiral F.F. Uschakow, der im Jahr 1791 in einer Seeschlacht hier am Kap die Türken besiegte.

wir sehen uns noch ein bißchen um und genießen den Sonnenuntergang am Kap bevor wir uns dann auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz machen.

Tourismus Hotspot Bulgariens am Sonnenstrand

Die ganze Stadt ist nur auf Tourismus abgestellt, aber jetzt ist hier gar nichts los, alles ist zu, es sind nicht viele Menschen unterwegs. Es gibt hier über 800 Hotels und bis zu 200.000 Menschen können hier beherbergt werden. Wir finden direkt hinterm Strand einen Parkplatz und gehen zum Strand, dieser ist schön breit, richtig viel Platz und nur ein paar Menschen sind hier, obwohl wettermäßig Strandbesuch kein Problem ist.

Alle Hotels sind geschlossen, Souvenirshops und Imbissbuden auch, nichts, gar nichts ist offen und das wirkt schon gespenstisch, denn in anderen Jahren ist hier um diese Zeit mit Sicherheit noch Hochbetrieb.

 Plötzlich fängt es an zu regnen, aber nur kurz und danach gibt es einen tollen Regenbogen

 Aber nun wird es doch Zeit in den nächsten Ort, in die Altstadt von Nessebar zu fahren.

Touristen-Magnet & UNESCO Weltkulturerbe...

Nessebar old town liegt auf einer Halbinsel, über eine Landenge geht es vorbei an einer alten hölzernen Windmühle direkt zum historischen Stadttor, dieses und die Stadtmauern wurden im 5. Jahrhundert v. Chr. von den Griechen errichtet und bis ins 14. Jahrhundert hinein ständig erweitert.

Das alte Nessebar ist UNESCO-Weltkulturerbe und ein einziges Freilichtmuseum. Schon seit der Thrakerzeit ist diese Halbinsel bewohnt und auch befestigt, später folgten alle anderen einschlägigen Besiedlungen wie Griechen, Römer, Byzantiner und Türken –  alle haben in irgendeiner Art ihre Spuren hinterlassen.

Am Ende hat es doch noch geklappt, wir treffen Jindra und Daniel aus Tschechien hier in Nessebar. Wir hatten uns schon bei den Schlammvulkanen in Rumänien gesehen, auch unterwegs auf dem Weg ins Donaudelta und  gestern wieder auf dem Weg hierher, aber noch nie hatten wir direkten Kontakt. Schön, dass wir uns nun persönlich gegenüber stehen,  wir unterhalten uns lange übers Reisen, unsere Vorhaben, unweigerlich auch über Corona. Jindra spricht ausgezeichnet deutsch, so dass die Verständigung kein Problem ist. Wir tauschen noch Facebookadressen aus bevor jeder seine Reise wieder fortsetzt. Daniel und Jindra wollen weiter in die Türkei ehe sie langsam wieder nach Hause fahren. Für uns geht es weiter in Bulgarien und danach nach Griechenland.

Am Hauptplatz der Altstadt befindet sich die Christus Pantokrator Kirche

Entstanden ist die Kreuzkuppelkirche im 13. und 14. Jahrhundert. Diese Kirche hat eine reiche Außenverzierung und gehört zu den Highlights der mittelalterlichen Baukunst. 1972 wurde fast die gesamte Kirche bei einer Restaurierung wieder hergestellt. Heute befindet sich in der Kirche u.a. ein Museum.

Bulgarien ist einer größten Weinerzeuger der Welt und der Weinbau hat eine sehr lange Tradition. Deshalb kommt man immer wieder  an kleinen sehr gemütlichen Weinlädchen vorbei wo man zum probieren eingeladen wird. Natürlich kann man auch Wein kaufen, was uns bei dem reichhaltigen Angebot an edlen Tropfen nicht schwer fiel.

hier noch ein paar Eindrücke von unserem Rundgang durch Nessebar.

Es gibt schöne romantische alte Gassen mit der typischen altbulgarischen Bauweise, die Ruinen von sehr alten Kirchen, teils aus dem 5.Jahrhundert, alte Befestigungsanlagen – wirklich sehr schön und sehenswert. Also, wer nach Bulgarien reist – die Altstadt von Nessebar ist einen Besuch wert.

Unterwegs in der Altstadt von Plovdiv

 das antike Amphitheater thront über der Stadt

 

Heute wollen wir uns die Altstadt von Plovdiv anschauen. Plovdiv ist mit 350T Einwohnern die zweitgrößte Stadt und einer der ältesten Siedlungsorte Bulgariens und war 2019 neben Matera in Italien Kulturhauptstadt Europas.

Das treibt natürlich die Erwartungen an die Stadt in die Höhe. Die Stadt hat eine uralte wechselvolle Geschichte und erste Siedlungsspuren stammen schon aus dem 6.Jahrtausend v.u.Z.. Sie war thrakisch, dann mazedonisch unter Philipp II – dem Vater von Alexander dem Großen, daher einer der alten Namen der Stadt Philippopolis. Dann war sie wieder Königssitz der Thraker und später Bestandteil der römischen Reiches, schließlich byzantinisch und gehörte ab 812 erstmals zum bulgarischen Reich. Seit 1364 war Plovdiv dann Teil des osmanischen Reiches und erst nach vielem Hin- und Her gehörte sie ab 1885 wieder zu Bulgarien. Alle Kulturen haben ihre Spuren hinterlassen und auch die Bevölkerungsstruktur spiegelt diese Geschichte wieder.

zum ersten Mal auf unseren Reisen besuchen wir eine Moschee...

Nachdem wir nun schon des öfteren die sehr schönen und meist auch sehr prunkvollen russisch-orthodoxen Kirchen besichtigen konnten haben wir nun erstmals die möglichkeit eine Moschee zu besuchen. Die „Moschee Murads des Herrschers“ aus dem 15. Jhd., das Minarett hatten wir schon von Weitem gesehen. Bei der langen türkischen Geschichte ist ja klar, dass es aus dieser Zeit viele Spuren geben muss. Nach kurzem Zögern gehen wir die Stufen zum Eingang hinauf, wir wissen nicht so richtig, ist die Moschee aktiv oder ist sie ein Museum ?

Die Tür ist offen, ein Schild weist darauf hin, dass man die Moschee frei betreten kann, aber bitte mit dem notwendigen Respekt, im Eingangsbereich stehen Tafeln mit Instruktionen, wie das aussieht: Schuhe ausziehen und als Frau bitte nicht in Alltagskleidung, man kann sich einen Umhang mit Kapuze zur Bedeckung der Haare ausleihen. Übrigens, Frauen dürfen zum Gebet nicht etwa bei ihren Ehemännern oder Vätern knien, nein sie müssen in extra abgetrennten Bereichen hinter Geländern ihren Gottesdienst leisten. Ralph stellt seine Latschen ab und geht in den Gebetsraum hinein um ein paar Fotos zu machen.

Wir schlendern weiter und sind jetzt im Altstadtteil „Kapana“ unterwegs. Kleine enge Gassen mit vielen, vielen Cafes und Restaurants, noch mehr jungen Leuten, die hier den Nachmittag genießen, alten Häusern mit eigenem Charme – viele sind mit meistens sehr neckischen Graphitis verziert, die uns ständig das Handy für Fotos zücken lassen. Sehr individuell, hübsch, charmant – das erinnert an Lviv und an die Dresdener-Neustadt. Toll, das hat was!

Anschließend müssen wir uns etwas anstrengen, es geht stetig höher, um in den älteren Teil zu gelangen, der auf einem Hügel liegt. Altes historisches (antikes?) Pflaster, enge Gässchen, kleine mittelalterliche orthodoxe Kirchen, wunderschöne restaurierte „Häuser der Wiedergeburt“ - Häuser, die nach der Osmanenherrschaft in altem bulgarischen Stil erbaut wurden – wunderschön!

Durch eine offene Hoftür betreten wir einen romantischen Innenhof voller Pflanzen, wunderschön. Die hier wachsenden Flaschenkürbisse werden von der Künstlerin in ihrem wunderschönen kleine Haus mit Werkstatt in kleine Kunstwerke verwandelt.

Auf dem Weg zurück sehen wir durch eine geöffnete Tür in einer alten Mauer eine kleine Kirche und gehen hinein. Das Ömchen will gerade zu schließen, aber als sie uns sieht fordert sie uns auf herein zu kommen und öffnet die Tür wieder. Wir dürfen fotografieren und Ralph darf die Kirche mit einem Riesenschlüssel danach wieder zuschließen.

 

Fazit:

Ja, der Besuch Plovdivs hat sich gelohnt und unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Die Bilder sind nur ein kleiner Eindruck von dem, was man hier alles entdecken kann. Wer hier mal unterwegs ist sollte sich auf jeden Fall die Zeit für einen Bummel durch die Altstadt von Plovdiv nehmen. Zurück im Polari, unserem Van, wird schnell noch ein Schlafplatz gesucht, wir finden einen gleich am Stadtrand, der keinen schlechten Eindruck macht. Dort angekommen steht hier schon ein deutsches Wohnmobil, was in diesen Wochen und Monaten eine Seltenheit ist.

 

Skulpturenpark in Pasardschik

Auf unser weiteren Fahrt ins Rila-Gebirge im Westen Bulgariens haben wir einen Park entdeckt mit verschiedenen Figuren, die ganz interessant aussehen.

Erstaunt über den schönen Park und die phantasievolle Gestaltung halten wir uns länger als geplant auf. Es gibt hier etliche große Spiegel, die aus uns die unterschiedlichsten Figuren zaubern und uns zum spielen und fotografieren verführen. Außerdem gibt es Märchenfiguren, einen Riesenstuhl, einige Dinosaurier und sehr originell gestaltete Schaukeln.

Zwangspause in Sofia - Kupplungsschaden

Nicht gehofft und doch hat es uns erwischt. Wir konnten seit ein paar Tagen nicht mehr richtig schalten und so haben wir uns dann auf den Weg zu einer Werkstatt gemacht. Wie wir zu dieser Werkstatt gekommen sind ist eine längere Geschichte. Wir machens kurz "ZUFALL, GLÜCK, HILFSBEREITSCHAFT und absolute Gastfreundlichkeit" !!!

nach einiger Zeit der Suche für die Ursache des Problems war dann klar es muss etwas mit der Kupplungsscheibe zu tun haben. Also musste die K-Scheibe erst einmal ausgebaut werden was natürlich auch seine Zeit dauerte.

Nachdem die Kupplungsscheibe draußen war, haben wir sehr schnell gesehen was die Ursache für die Schaltprobleme war. Ein kleines Stück war aus dem inneren der Kupplungsscheibe herausgebrochen. Am nächsten Tag wurde dann eine neue K-Scheibe  eingebaut. Unser Dank gilt Ivan und dem Werkstattteam vom 4x4 Service Sofia rund um Mapo.,

Übrigens auf dem letzten Bild das war unser Blick für die Nacht. Da unser Van / Polarfuchs nicht fahrbereit war, konnten wir sogar in der Werkstatt übernachten, in unseren eigenen Betten, unglaublich :-) eben Vanlife. Wir sind wieder einmal total überwältigt und sehen unter anderem abermals, was das Reisen so interessant macht. Wenn man auf Menschen zugeht und ihnen vertraut, kann man sehr viel zurück bekommen !

Am Ende konnten wir unsere Reise wieder fortsetzen, das nächste Ziel war nun das auf über eintausend Meter gelegene  Rila Kloster.

im Rila Kloster UNESCO Weltkulturerbe

Das Rilakloster ist das größte orthodoxe Kloster Bulgariens und ist schon seit 1983 Weltkulturerbe. Es wurde bereits zu Beginn des 10.Jhd. von dem Einsiedler Ivan gegründet, damals nur eine kleine Kirche. Heute ist das „Kloster des heiligen Ivan von Rila“ - so der korrekte Name – eine große umfassende Anlage. Das Kloster hat eine wunderbare Lage in einem Taleinschnitt auf über 1130 m Höhe an einem wilden kleinen Flüsschen, ringsum eingerahmt von hohen Bergen, traumhaft schön.

Das Klostergelände ist außen begrenzt von den sehr schönen Gebäuden mit den Unterkünften für die Mönche. Im Innenhof steht die wunderschön gestaltete, außen und innen vollständig mit Fresken bemalte Kirche. Selbst in den 500 Jahren Osmanenherrschaft wurde das Kloster nicht angetastet.

Wir machen einen kurzen Abstecher zur „Alten Einsiedelei“, wo die Geschichte des Rilaklosters begonnen hat und der Begründer Ivan Rilski begraben sein soll. Zur „Alten Einsiedelei“ muss man ein bisschen über Stock und Stein empor kraxeln. Am Ziel steht eine ziemlich alte hübsche kleine Kapelle und ganz in der Nähe gibt es noch einen Brunnen, alles wird dem Ivan Rilski zugeschrieben.

einige unserer Übernachtungsplätze in Bulgarien

Baba Wanga die Seherin von Petritsch

Neben einem Mineralbad ist ein Schrein für „Baba Wanga“, eine von den Bulgaren hochverehrte blinde Seherin, die hier im 20. Jahrhundert gewirkt hat.

Baba Wanga

Wanga, war die berühmteste Seherin Bulgariens der jüngeren Vergangenheit und wurde als „lebende Heilige“ verehrt. Unter den Bezeichnungen Baba Wanga und die Seherin von Petritsch war sie außer in Bulgarien vor allem im früheren Jugoslawien und in der ehemaligen Sowjetunion bekannt.

Hier gibt es auch einige Stände mit einheimischen Spezialitäten, Kürbisse, die wir noch nie gesehen haben, Unmengen Honig, Kastanien zum rösten, Knoblauch ohne Ende, alles mögliche an Obst und Gemüse und natürlich Wein, denn wir sind ja in einer Weingegend.

hier noch ein paar Eindrücke von unserer Reise durch Bulgarien

Für uns steht nun ein weiteres Land auf unserer Reiseroute durch Europa, es geht nach Griechenland, dem klassischen Land der Antike. Hier wollen wir länger bleiben und wenn möglich auch einen Großteil des Winters verbringen. Zu sehen und zu entdecken gibt es ja reichlich in Hellas. Bevor es aber soweit ist, müssen wir noch einige Formalitäten erledigen.

Wir brauchen für die Einreise nach Griechenland einen Registrierungscode, den man über das Internet beantragen muss und einen gültigen negativen C-Test, denn wir reisen immer noch in für die Welt eigenartigen Zeiten.